Schnelle Lautstärkemessung: Neues Werkzeug für die individuelle Hörgeräteanpassung


Eine neue Schnellbewertungsmethode kann in nur fünf Minuten abschätzen, wie Menschen Lautstärke wahrnehmen, und ebnet damit den Weg zu präziser angepassten Hörgeräteeinstellungen, die individuellen Hörvorlieben entsprechen.

Eine der anhaltenden Herausforderungen bei der Hörgeräteanpassung ist die subjektive Art, wie Menschen Klang erleben. Was für eine Person angenehm klingt, kann für eine andere unangenehm laut sein. Hörakustiker verlassen sich seit Langem auf standardisierte Verfahren zur Lautstärkebewertung, doch diese Tests können zeitaufwendig und anstrengend sein für ältere Menschen, die ohnehin bereits mit Hörproblemen zu kämpfen haben.

Eine neue Studie, die in Ear and Hearing veröffentlicht wurde, zeigt, dass ein schnelles, adaptives Verfahren zuverlässige Lautstärkemessungen in einem Bruchteil der traditionell benötigten Zeit liefern kann. Das eröffnet Möglichkeiten für eine individuellere Geräteprogrammierung in der Praxis und potenziell auch im häuslichen Umfeld.

Über diese Studie

Titel: Rapid Profiling of Loudness Among Older Adults

Autoren: Shen Y, Petersen EA, Neely ST

Institutionen: Department of Speech and Hearing Sciences, University of Washington; Auditory Signal Processing Laboratory, Boys Town National Research Hospital

Fachzeitschrift: Ear and Hearing - 27. Januar 2026

Studientyp: Klinische Validierungsstudie eines adaptiven Bayes-Verfahrens

Quelle: PubMed - DOI: 10.1097/AUD.0000000000001766

Hintergrund: Warum die Forscher dies untersucht haben

Hörgeräte funktionieren am besten, wenn sie den individuellen Lautstärkevorlieben des Trägers entsprechen. Die Ohren jedes Menschen reagieren unterschiedlich auf Klang, und die Lautstärkewahrnehmung variiert je nach Alter, Hörvorgeschichte und anderen Faktoren. Traditionell erfassen Hörakustiker die Lautstärkewahrnehmung, indem Patienten reine Töne bei unterschiedlichen Lautstärken über mehrere Frequenzen hinweg bewerten. Diese „kategoriale Lautstärkeskalierung" ist genau, kann aber 300 oder mehr Durchgänge erfordern, verteilt über eine Stunde.

Für ältere Menschen, die während langwieriger Tests Erschöpfung, Konzentrationsschwächen oder Frustration erleben können, könnte eine schnellere Methode sowohl die Genauigkeit als auch den Komfort verbessern. Ein schnelleres Verfahren eröffnet zudem Möglichkeiten für die Hörgeräteanpassung aus der Ferne und für Selbstanpassungsplattformen, bei denen Geschwindigkeit und Einfachheit entscheidend sind.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Die Forscher entwickelten und testeten ein neues Schnellverfahren namens quick-Categorical Loudness Scaling (qCLS). Mithilfe einer adaptiven Bayes-Logik lernt das Verfahren aus jeder Patientenantwort und wählt den nächsten Teststimulus intelligent aus, sodass es das Lautstärkeprofil einer Person deutlich schneller erfasst als herkömmliche Methoden.

Im ersten Experiment durchliefen 41 ältere Erwachsene (Durchschnittsalter Mitte 60) das qCLS-Verfahren zweimal in derselben Sitzung, um die Test-Retest-Zuverlässigkeit zu bewerten. Sie hörten reine Töne bei Frequenzen von 250 Hz bis 8 kHz und bewerteten anhand einer 11-stufigen Skala, wie laut jeder Ton war. Jede Sitzung dauerte etwa fünf Minuten und erforderte nur 100 Stimulusdurchgänge.

Im zweiten Experiment verglichen 10 Erwachsene die qCLS-Ergebnisse mit der traditionellen Methode Adaptive Categorical Loudness Scaling (ACALOS). Das qCLS-Verfahren benötigte 100 Durchgänge, ACALOS 300. Die Übereinstimmung zwischen den beiden Methoden wurde gemessen, um die Genauigkeit des schnelleren Ansatzes zu bestätigen.

Was die Forscher herausfanden

Das qCLS-Verfahren erwies sich als äußerst zuverlässig. Wenn dieselben Teilnehmer am selben Tag zweimal getestet wurden, betrug der durchschnittliche Unterschied zwischen Test- und Retest-Messungen über alle Frequenzen und Lautstärkepegel hinweg nur 6,3 dB. Dieses Maß an Konsistenz gilt für klinische Anwendungen als zufriedenstellend.

Im Vergleich zum traditionellen ACALOS-Verfahren stimmten die qCLS-Schätzungen sehr eng überein, mit einem durchschnittlichen Unterschied von nur 5,1 dB. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die schnellere Methode den Anstieg der Lautstärkewahrnehmung genauso präzise erfasst wie der langsamere, gründlichere Standardansatz. Mit anderen Worten: Der adaptive Bayes-Algorithmus eliminiert überflüssige Tests wirksam und behält dabei die Präzision bei.

Entscheidend ist, dass das Verfahren in etwa fünf Minuten abgeschlossen war. Diese dramatische Zeitersparnis bedeutet, dass ältere Menschen die Lautstärkeerfassung ohne Erschöpfung durchführen können und die Bewertung in einem breiteren Spektrum von Umgebungen eingesetzt werden kann – von der Praxis über das häusliche Umfeld bis hin zu Direktvertriebsplattformen für Hörgeräte.

Was es für Menschen mit Hörverlust bedeutet

Eine schnelle Lautstärkeerfassung verbessert die Erfahrung der Hörgeräteanpassung unmittelbar. Wenn ein Gerät so eingestellt werden kann, dass es den genauen Lautstärkevorlieben einer Person bei mehreren Frequenzen entspricht, ist der Träger zufriedener mit seinem Gerät und trägt es eher beständig. Unzufriedenheit mit den Lautstärkeeinstellungen ist nach wie vor einer der Hauptgründe, warum Menschen aufhören, ihre Hörgeräte zu tragen, oder Anpassungen wünschen.

Für ältere Menschen, die möglicherweise Mobilitätsprobleme oder kognitive Beeinträchtigungen haben, ist eine fünfminütige Bewertung weitaus weniger belastend als stundenlange Anpassungen. Für diejenigen, die eine selbstgeführte Anpassung bevorzugen, macht eine schnellere Lautstärkebewertung es möglich, Geräte zu Hause zu kalibrieren – vor oder ohne einen Praxisbesuch.

Warum eine schnelle, genaue Lautstärkeerfassung bessere Hörlösungen ermöglicht

Der Nachweis der Studie, dass eine Lautstärkeerfassung zuverlässig in fünf Minuten abgeschlossen werden kann, ermöglicht unmittelbar die Art der individuellen Signalverarbeitung, die moderne Hörgeräte versprechen. Rezeptfreie Hörgeräte und fortschrittliche Selbstanpassungsplattformen sind auf die schnelle, genaue Erfassung individueller Hörprofile angewiesen. Panda Quantum beispielsweise umfasst einen klinisch abgestimmten 10-minütigen Online-Hörtest und eine digitale Rauschunterdrückung, die auf die Lautstärkevorlieben des Trägers zugeschnitten werden kann. Mit einer verfügbaren schnellen Lautstärkeerfassung können Selbstanpassungsplattformen nun nicht nur einen grundlegenden Frequenzgang, sondern eine echte Personalisierung der Dynamikkompression und der Lautstärkezuordnung bieten.

Diese schnelle Bewertung eröffnet auch die Möglichkeit einer iterativen, nutzergesteuerten Anpassung. Statt einer einzigen Praxissitzung können Nutzer die Lautstärke mehrfach bewerten und ihre Geräteeinstellungen auf Basis realer Erfahrungen in verschiedenen Umgebungen anpassen. Diese Flexibilität ist besonders wertvoll für rezeptfreie Geräte und Direktvertriebsgeräte, bei denen eine laufende Betreuung durch eine Praxis möglicherweise nicht verfügbar ist.

Einschränkungen dieser Forschung

Die Studie testete das Verfahren vorwiegend in kontrollierten Laborbedingungen mit älteren Menschen, die unterschiedliche Grade von Hörverlust aufwiesen. Die Übertragbarkeit auf jüngere Erwachsene oder auf Menschen mit hochgradigem oder an Taubheit grenzendem Hörverlust ist unklar. Zudem untersuchte die Studie die Lautstärkeerfassung in ruhigen, akustisch kontrollierten Umgebungen, nicht in den vielfältigen akustischen Situationen, denen Menschen im Alltag begegnen.

Das Verfahren setzt außerdem voraus, dass Nutzer die Lautstärke zuverlässig auf einer 11-stufigen Skala bewerten können. Menschen mit kognitivem Abbau oder Sprachbarrieren könnten dies als herausfordernd empfinden, was die Anwendbarkeit der Methode für manche Bevölkerungsgruppen einschränkt.

Wo uns das hinführt

Eine schnelle, zuverlässige Lautstärkeerfassung beseitigt eine wesentliche Hürde für die individuelle Hörgeräteanpassung. Mit der Ausweitung rezeptfreier und selbst anpassbarer Hörgeräte machen Werkzeuge wie das qCLS-Verfahren es praktikabel, jene Art der Individualisierung zu bieten, die einst ausschließlich der praxisbasierten, professionellen Anpassung vorbehalten war. Für ältere Menschen, die komfortable, individuelle Hörlösungen ohne langwierige klinische Termine suchen, eröffnet diese schnelle Bewertung neue Möglichkeiten.

Shen Y, Petersen EA, Neely ST. Rapid Profiling of Loudness Among Older Adults. Ear and Hearing, 27. Januar 2026. Abgerufen von PubMed. DOI: 10.1097/AUD.0000000000001766

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