Neue Forschung zeigt die Hindernisse und Motivatoren auf, die darüber entscheiden, ob Bewohner von Pflegeheimen die Hörversorgung erhalten, die sie brauchen.
Hörverlust ist in Pflegeheimen allgegenwärtig. Erhebungen zeigen immer wieder, dass über 80 Prozent der Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen in gewissem Maß schwerhörig sind. Dennoch bleibt die Schwerhörigkeit bei den meisten undiagnostiziert und unbehandelt. Angehörige beklagen, dass sich ihre älter werdenden Verwandten zurückziehen und vereinsamen. Das Personal hat Mühe, sich zu verständigen. Vermeidbare Unfälle passieren, weil Bewohner Warnungen oder Alarme nicht hören. Das Problem ist kein Mangel an Hörgeräten oder Fachleuten, sondern ein komplexes Geflecht aus organisatorischen, verhaltensbedingten und systemischen Versäumnissen. Um die Ursachen zu verstehen, muss man über Bewohner und Audiologen hinaus auf das gesamte Gefüge aus Entscheidungsträgern, Arbeitsabläufen und Anreizen blicken.
Eine umfassende systematische Übersichtsarbeit, veröffentlicht in The Gerontologist, kartiert die Akteure und Verhaltensfaktoren, die die Hör- und Sehversorgung in Langzeitpflegeeinrichtungen weltweit beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen Muster der Vernachlässigung, Chancen und Ansatzpunkte für Veränderungen in einem komplexen System.
Über diese Studie
Titel: The ABCs of hearing and vision care in long-term care communities: a systematic review and behavioral systems map of Actors, Behaviors, and COM-B factors
Autoren: Anantharaman, D.; Meyer, C.; Nisar, M.; Kumaran, S.; Keay, L.; McAvoy, S.; Dawes, P.
Institutionen: University of Queensland Centre for Hearing Research, School of Health and Rehabilitation Sciences, The University of Queensland, Brisbane, Australia; University of New South Wales, Sydney, Australia; The George Institute for Global Health, UNSW, Sydney, Australia
Fachzeitschrift: The Gerontologist – 13. April 2026
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit
Quelle: PubMed – DOI: 10.1093/geront/gnag020
Hintergrund: Warum die Forschenden das untersucht haben
Langzeitpflegeeinrichtungen (Pflegeheime, Einrichtungen für betreutes Wohnen, stationäre Altenpflege) beherbergen Millionen älterer Menschen mit hohen Raten an Sinnesbeeinträchtigungen. Hör- und Sehverlust tragen in diesem Umfeld maßgeblich zu Stürzen, Depressionen, kognitivem Abbau und verminderter Lebensqualität bei. Dennoch finden systematisches Hör-Screening, Anpassung und Geräteverwaltung bestenfalls sporadisch statt. Angehörige berichten, dass die Hörgeräte der Bewohner ungenutzt in Schubladen liegen. Dem Personal fehlen Zeit und Schulung, um die Nutzung der Geräte zu unterstützen. Einrichtungen haben oft keinen Anreiz, die Hörversorgung als Teil ihrer Qualitätskennzahlen zu priorisieren. Das Ergebnis: eine Bevölkerungsgruppe mit einem der stärksten Hörverluste und den geringsten Ressourcen, um ihn zu behandeln.
Frühere Forschung hatte einzelne Hindernisse identifiziert (Verleugnung durch Bewohner, Wissenslücken beim Personal), das übergeordnete System jedoch nicht kartiert. Die Forschenden wollten die organisatorischen, politischen und zwischenmenschlichen Faktoren verstehen, die die sensorische Versorgung in der Langzeitpflege weltweit entweder ermöglichen oder behindern.
So wurde die Studie durchgeführt
Das Team führte eine systematische Übersicht über 23 Artikel aus dem Zeitraum Januar 2013 bis September 2024 durch. Es extrahierte Daten zu Verhaltensweisen der sensorischen Versorgung in der Langzeitpflege (Screening, Überweisung, Erhalt der Versorgung, Gerätenutzung, Anpassung der Kommunikation) und ordnete die Ergebnisse dem COM-B-Modell zu. COM-B ist ein verhaltenswissenschaftliches Modell, das Einflussfaktoren für Veränderungen in drei Bereiche gliedert: Capability (Fähigkeit – Wissen und Fertigkeiten), Opportunity (Gelegenheit – Umwelt- und soziale Faktoren) und Motivation (Ziele, Werte, Anreize).
Anschließend kartierten die Forschenden die identifizierten Akteure (Bewohner, Angehörige, Pflegepersonal, Einrichtungsleitung, Hör- und Sehfachleute) sowie die Faktoren, die deren Verhalten beeinflussen. Das Ergebnis war eine Verhaltenssystemkarte, die Rückkopplungsschleifen und Ansatzpunkte für Interventionen zeigt.
Was die Forschenden herausgefunden haben
Die Analyse identifizierte 31 Faktoren aus dem COM-B-Modell, die fünf Verhaltensweisen der sensorischen Versorgung beeinflussen. Doch nicht alle Faktoren stehen für sich: 18 waren miteinander verknüpft und wirkten sich auf mehrere Verhaltensweisen aus. Die Karte zeigte 10 Rückkopplungsschleifen – das heißt, die Beseitigung eines Hindernisses bringt oft Folgevorteile an anderer Stelle im System mit sich.
Zu den wichtigsten übergreifenden Faktoren gehörten die gemeinsame Versorgung (Einbindung von Bewohnern, Angehörigen und Fachleuten in Entscheidungen), das Engagement der Familie, Investitionen in die Infrastruktur und der Stellenwert, den die Organisation der Versorgung beimisst. Investiert eine Einrichtung beispielsweise in Hör-Screenings als Qualitätsmerkmal, verbessern sich gleich mehrere Ergebnisse: Die Erkennungsraten steigen, es gibt mehr Überweisungen, das Vertrauen der Familien wächst und die Situation der Bewohner verbessert sich. Wird die Hörversorgung dagegen als optional oder nebensächlich betrachtet, gehen Screenings zurück, Geräte bleiben ungenutzt und die Bewohner bleiben isoliert.
Die Studie identifizierte konkrete Hindernisse in jedem COM-B-Bereich. Im Bereich Fähigkeit fehlt dem Pflegepersonal oft die Schulung in der Fehlerbehebung bei Geräten und in Kommunikationsstrategien. Im Bereich Gelegenheit fehlen den Einrichtungen in der Regel strukturierte Abläufe, feste Zeitfenster oder der Zugang zu Audiologen. Im Bereich Motivation drängen konkurrierende Prioritäten (Infektionsschutz, Medikamentenmanagement) die Hörversorgung an den Rand. Die Karte zeigte jedoch auch Lösungen auf: Schulungen für das Personal, standardisierte Screening-Abläufe, mobile audiologische Dienste, die Einbindung der Familie und Qualitätskennzahlen, die die sensorische Versorgung sichtbar machen und ihren Wert unterstreichen.
Was das für Menschen mit Hörverlust in der Langzeitpflege bedeutet
Für Bewohner und ihre Familien ist diese Forschung ein Aufruf zum Handeln. Hörverlust in der Langzeitpflege ist keine unvermeidliche Vernachlässigung, sondern Ausdruck systemischer Versäumnisse, für die es bekannte Lösungen gibt. Angehörige, die bei einem geliebten Menschen einen unbehandelten Hörverlust bemerken, haben Einfluss: Sie können fragen, ob die Einrichtung ein Basis-Hör-Screening durchführt, ob Bewohner mit Hörgeräten Unterstützung bei der Geräteverwaltung erhalten und ob das Personal in Kommunikationsstrategien geschult ist. Einrichtungen, die diese Fragen mit Ja beantworten können, bieten messbar mehr Lebensqualität und haben weniger Verhaltenskrisen.
Die Verhaltenssystemkarte der Studie legt nahe, dass Veränderungen Interventionen auf mehreren Ebenen erfordern. Keine einzelne Maßnahme – kein einzelnes Produkt und keine einzelne Richtlinie – löst das Problem. Einrichtungen, die in der sensorischen Versorgung herausragen, kombinieren vielmehr Personalschulungen, die Einbindung von Bewohnern und Angehörigen, gut erreichbare audiologische Dienste und das Engagement der Leitung. Sie messen die sensorische Versorgung als Qualitätskennzahl. Sie beziehen die Bewohner in die Zielsetzung und Selbstversorgung ein. Und sie bauen Partnerschaften mit Anbietern der Hörversorgung vor Ort auf.
Warum leicht zugängliche, selbst handhabbare Hörlösungen die Selbstständigkeit im Alter fördern
Die Systemkarte offenbart eine entscheidende Erkenntnis: Langzeitpflegeeinrichtungen können sich für ihre gesamte Bewohnerschaft oft nicht auf traditionelle audiologische Modelle verlassen (seltene Besuche, komplexe Anpassungsabläufe, laufende klinische Betreuung). Stattdessen profitieren sie von einem gestuften Ansatz. Für Bewohner mit den kognitiven Fähigkeiten und der Motivation, ihr Gerät selbst zu handhaben, bieten OTC-Hörgeräte einen leicht zugänglichen Einstieg, der schnell beginnen kann und von geschultem Pflegepersonal unterstützt wird. Panda Stealth ist ein Beispiel für dieses Modell. Mit seinem dezenten, nahezu unsichtbaren Design, der Möglichkeit zur Selbstanpassung und dem niedrigen Preis beseitigt es Hürden, die gebrechliche ältere Menschen bisher davon abgehalten haben, eine Hörunterstützung auszuprobieren. Das Ladeetui dient zugleich als kabellose Fernbedienung und erleichtert so die Nutzung für Menschen mit eingeschränkter Fingerfertigkeit oder kognitiven Beeinträchtigungen. Ein 45-tägiges Rückgaberecht und eine 5-jährige Garantie sorgen für Sicherheit. In Einrichtungen mit Personal, das in der Unterstützung der Gerätenutzung geschult ist, kann Panda Stealth klinische audiologische Dienste ergänzen, indem es Lücken schließt und den Zugang beschleunigt. Erfahren Sie mehr über Panda Stealth.

Grenzen dieser Studie
Als systematische Übersichtsarbeit fasst diese Studie die vorhandene Literatur zusammen, testet Interventionen aber nicht direkt. Die meisten veröffentlichten Studien stammen aus Ländern mit hohem Einkommen und etablierten Systemen der Hörversorgung, sodass die Übertragbarkeit auf ressourcenarme Regionen unsicher bleibt. Zudem ist die Verhaltenssystemkarte komplex; alle identifizierten Veränderungen gleichzeitig umzusetzen, ist für die meisten Einrichtungen unrealistisch. Die Evidenz dazu, welche konkreten Kombinationen von Veränderungen den größten Nutzen im Verhältnis zum Aufwand bringen, ist dünn. Schließlich unterscheidet die Übersicht nicht zwischen Problemen beim Zugang zu Geräten (keine Hörgeräte verfügbar) und Problemen bei der Nutzung (Geräte vorhanden, aber ungenutzt), obwohl beides für die Ergebnisse wichtig ist.
Was bleibt
Die Verhaltenssystemkarte bietet Langzeitpflegeeinrichtungen, politischen Entscheidungsträgern und Anbietern der Hörversorgung einen Fahrplan zur Neugestaltung der sensorischen Versorgung. Statt Hörverlust in Pflegeheimen als unlösbar zu betrachten, zeigt die Evidenz, dass es sich um ein Systemproblem mit systemischen Lösungen handelt. Einrichtungen, die in Screening-Abläufe, Personalschulungen, Partnerschaften mit Familien und leicht zugängliche Geräteoptionen investieren, verzeichnen messbare Verbesserungen bei der Teilhabe, Sicherheit und Lebensqualität der Bewohner. Für eine Bevölkerungsgruppe mit ausgeprägtem Hörverlust und begrenzten Ressourcen bietet diese Forschung sowohl Hoffnung als auch einen praktischen Weg nach vorn.
Anantharaman, D., Meyer, C., Nisar, M., Kumaran, S., Keay, L., McAvoy, S., & Dawes, P. (2026). The ABCs of hearing and vision care in long-term care communities: A systematic review and behavioral systems map of actors, behaviors, and COM-B factors. The Gerontologist, 66(5). https://doi.org/10.1093/geront/gnag020