Tests im realen Ohr zeigen: Hörmodi von Consumer-Ohrhörern liefern weniger Verstärkung als klinisch vorgesehen
Ein japanisches Forschungsteam hat gemessen, wie viel Schall das Hörgeräteprogramm AirPods Pro 2 tatsächlich in den Gehörgang einbringt, und festgestellt, dass die Verstärkung unter den von Audiologen verordneten Zielwerten liegt.
Im Großteil des letzten Jahrhunderts war die Grenze zwischen Consumer-Ohrhörern und Hörgeräten klar definiert. Das hat sich geändert. Die AirPods Pro 2 erhielten kürzlich in Japan die Zulassung als Medizinprodukt der Klasse II. Sie verfügen über einen Hörtest zur Selbsteinschätzung und ein Hörgeräteprogramm, das den Schall basierend auf den Testwerten verstärkt.
Bisher fehlte eine unabhängige Messung. Verschreibungspflichtige Hörgeräte werden anhand veröffentlichter Formeln angepasst, und der Hörgeräteakustiker überprüft das Ergebnis mit einem Mikrofon im Ohr des Patienten. Geräte für Endverbraucher verwenden proprietäre Algorithmen, deren interne Parameter nicht offengelegt werden. Daher ist die Messung die einzige Möglichkeit, die tatsächliche Leistung zu ermitteln. Forscher des Saiseikai Utsunomiya Krankenhauses und der Medizinischen Fakultät der Keio-Universität haben genau das getan.
Über diese Studie
Titel: Verstärkungseigenschaften des Hörgeräteprogramms in AirPods Pro 2
Autoren: Ko Hentona, Daisuke Suzuki, Ayaka Sasaki, Takashi Okada, Keigo Oguchi, Motoki Izawa, Hyugo Doi, Wataru Fujita, Mika Yokoyama, Eri Suzuki, Hiroyuki Ozawa, Akifumi Tomizawa, Naoki Oishi, Seiichi Shinden
Zugehörigkeiten: Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Saiseikai Utsunomiya Krankenhaus, Utsunomiya, Japan; Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Medizinische Fakultät der Keio-Universität, Tokio; Medizinische Universität Sapporo, Sapporo; Fakultät für Gesundheitswissenschaften in Narita, Internationale Universität für Gesundheit und Wohlfahrt; Zentrum für Otologie und Audiologie, Universitätsklinikum Keio, Tokio
Zeitschrift und Datum: Auris Nasus Larynx, veröffentlicht am 3. August 2026
Studientyp: Laborstudie zur Real-Ear-Messung an erwachsenen Probanden
PubMed DOI: 10.1016/j.anl.2026.05.007
Hintergrund: Warum die Forscher dies untersuchten
Ein Hörgerät ist mehr als nur ein Lautstärkeregler. Hörverlust verläuft fast nie gleichmäßig. Ein optimal angepasstes Gerät verstärkt daher in unterschiedlichen Tonhöhen den Schall unterschiedlich stark, meist deutlich stärker im Bereich 2,000 bis 4,000 Hz, wo Konsonanten vorkommen, und deutlich schwächer in den tiefen Frequenzen, in denen die meisten Menschen noch gut hören. Die Formeln, die ein Audiogramm in diese Zielkurve umwandeln, werden als Verschreibungsregeln bezeichnet. Die beiden weltweit verwendeten sind NAL-NL2 und DSL v5.
Kliniker überprüfen mithilfe der Real-Ear Insertion Gain (REIG), ob ein Gerät die Zielwerte erreicht. Ein dünnes Sondenmikrofon wird in den Gehörgang eingeführt, der Schallpegel mit und ohne eingeschaltetes Gerät gemessen, und die Differenz bei jeder Frequenz ergibt den Einfügungsgewinn. Dies ist die objektivste Methode in der Audiologie, um eine optimale Anpassung zu gewährleisten.
Bei Geräten für Endverbraucher gestaltet sich dies komplizierter, da der Algorithmus ein Geschäftsgeheimnis ist. Ist der Zielwert unbekannt, kann der Kliniker die Anpassung nicht daran überprüfen, und der Käufer hat keine Möglichkeit festzustellen, ob ein Gerät, das sich angenehm anfühlt, tatsächlich die für sein Audiogramm erforderliche Verstärkung liefert. Die einzige verbleibende Option ist die direkte Messung der Ausgangsleistung und der Vergleich mit den veröffentlichten Richtlinien.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Das Team wählte fünf repräsentative audiometrische Profile aus einem unabhängigen Datensatz aus, der mit dem AirPods Hörtest erhoben wurde: einen flachen Hörverlust (30 dB), einen flachen Hörverlust (50 dB), einen Tieftonverlust, einen allmählich abfallenden Hochtonverlust und einen steil abfallenden Hochtonverlust. Letzteres ist in der Praxis besonders relevant, da ein abfallender Hochtonverlust das typische altersbedingte Muster darstellt.
Jedes Profil wurde nacheinander in das Gerät programmiert. Zehn erwachsene Freiwillige nahmen teil. Die Messungen wurden an zehn rechten Ohren in einer kalibrierten, schallisolierten Kabine durchgeführt. Als Stimulus diente das Internationale Sprachtestsignal (IST-Signal), das in drei Eingangspegeln präsentiert wurde: 50 und dB SPL für leise Sprache, 65 und dB SPL für normale Gesprächslautstärke und 80 und dB SPL für laute Sprache. Die Testung in drei Pegeln erfolgte bewusst, da moderne Hörgeräte Schall komprimieren und somit leise Töne stärker und laute Töne schwächer verstärken.
Die gemessene Einfügungsverstärkung wurde anschließend deskriptiv mit den Zielwerten NAL-NL2 und DSL v5 verglichen, die anhand derselben gerätebasierten Schwellenwerte berechnet wurden. Es handelte sich um eine Charakterisierungsstudie, nicht um einen Hörtest. Der Vergleich erfolgte deskriptiv und nicht statistisch.
Ergebnisse der Forschung
Die Einfügungsverstärkung variierte sowohl mit dem audiometrischen Profil als auch mit dem Eingangspegel. Dies entspricht den Erwartungen an ein Gerät, das eine echte nichtlineare Signalverarbeitung durchführt und nicht nur eine feste Verstärkung anwendet.
Die Verstärkung nahm im Allgemeinen zu den mittleren und hohen Frequenzen im Verhältnis zu den tiefen Frequenzen hin zu. Das Gerät formt den Klang also, anstatt ihn einfach nur lauter zu machen, und zwar im Großen und Ganzen in die richtige Richtung für typischen Hörverlust.
Die Einfügungsverstärkung nahm mit steigendem Eingangspegel kontinuierlich ab, mit einer deutlichen Dämpfung bei 80 dB SPL. Einfach ausgedrückt: Je lauter der Eingangspegel, desto geringer die Verstärkung des Geräts, und selbst beim höchsten Testpegel war die Verstärkung minimal. Dieses Verhalten verhindert eine unangenehme Lautstärke und entspricht dem Designkonzept, das auf Hörunterstützung und nicht auf vollständige Verstärkung abzielt.
Der zentrale Vergleich ist der wichtigste. Die gemessene Einfügungsverstärkung war im Allgemeinen niedriger als die anhand derselben Schwellenwerte berechneten Zielwerte für NAL-NL2 und DSL v5, und die Verstärkungsschwankungen über die Frequenzen waren weniger ausgeprägt als in den Zielvorgaben gefordert. Anders ausgedrückt: Die abgegebene Frequenzantwort war sowohl leiser als auch flacher als vorgeschrieben und bot somit weniger von der spezifischen Hochfrequenzbetonung, die die Formeln fordern.
Die Autoren interpretieren dies als Betonung der Hörunterstützung und der Lautstärkeregelung anstelle einer strikten Anpassung an die Vorgaben und fordern weitere Forschung zur klinischen Rolle von Hörgeräten für Endverbraucher.
Dies ist kein Einzelfall. Eine Real-Ear-Analyse von Knoetze et al. aus dem Jahr 2025 in Audiology Research untersuchte sechs FDA-zugelassene, rezeptfreie Hörgeräte zur Selbstanpassung und fand heraus, dass die vom Nutzer gewählte Verstärkung im Allgemeinen unter den NAL-NL2-Zielwerten lag, insbesondere bei höheren Frequenzen, und dass sie sich im Laufe der Zeit nicht verbesserte, anstatt mit zunehmender Erfahrung angehoben zu werden. Ob diese Abweichung relevant ist, lässt eine Studie aus dem Jahr 2022 im International Journal of Audiology mit 885 Erstnutzern und 330 erfahrenen Hörgeräteträgern vermuten. In dieser Studie berichteten erfahrene Nutzer, deren Anpassung am wenigsten von den Standardvorgaben abwich, über den größten Gesamtnutzen.
Was das für Menschen mit Hörverlust bedeutet
Die praktische Schlussfolgerung ist nicht, dass die Hörgerätefunktionen für Endverbraucher nutzlos sind. Sie bieten eindeutig eine strukturierte, pegelabhängige Verstärkung, und für jemanden mit einem leichten Hörverlust, der gelegentlich in einem ruhigen Restaurant Hilfe benötigt, kann das genau richtig sein. Die Schlussfolgerung ist, dass Komfort und korrekte Anpassung nicht dasselbe sind.
Unterverstärkung im Hochtonbereich äußert sich durch ein spezifisches Symptom: Sprachlaute sind zwar vorhanden, aber undeutlich; Vokale sind hörbar, Konsonanten jedoch nicht. Der Hörer gibt an, die Sprecher zwar zu hören, aber die Wörter nicht zu verstehen. Wenn dies nach einigen Wochen Tragezeit auf Sie zutrifft, sollten Sie die Anpassung hinterfragen, anstatt anzunehmen, dass nichts mehr verbessert werden kann.
Hier besteht ein gewisser Widerspruch. Die volle Verstärkungseinstellung wird von Erstnutzern oft als zu stark empfunden. Ein sanfterer Einstieg erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Hörgerät überhaupt getragen wird. Ein vernünftiges Hörgerät gibt Ihnen die Möglichkeit, sich über Wochen hinweg Ihren Zielwerten anzunähern, anstatt Sie dauerhaft darunter zu fixieren.
Warum die frequenzspezifische Anpassung so wichtig ist
Im Zentrum dieser Studie steht die Frequenzformung. Sie beschreibt, wie viel stärker ein Gerät bei den Frequenzen 4,000 und Hz im Vergleich zu 500 und Hz für dasselbe Ohr verstärkt wird. Die Präzision der Frequenzformung hängt von der Leistungsfähigkeit des Geräts ab. Daher ist die Kanalanzahl kein Marketing-Gag. Das Panda Quantum ist ein rezeptfreies Hörgerät mit RIC-Technologie (Receiver-in-Canal), das auf dem WDRC-Kanal des 16 basiert. Die Verstärkung wird daher bandweise und nicht pauschal eingestellt. Diese bandweise Steuerung ist die Grundlage für klare Sprachverständlichkeit in lauter Umgebung.
Quantum beinhaltet auch einen App-basierten Hörtest. Nach der Lieferung koppeln Sie das Hörgerät mit der Panda-App. Diese führt einen frequenzspezifischen Test direkt im Hörgerät durch und passt anschließend Verstärkung und Frequenzgang automatisch an Ihr individuelles Audiogramm an – ähnlich wie bei einer professionellen Hörgeräteanpassung. So wird das Hörvermögen per App personalisiert und basiert auf Ihren gemessenen Hörschwellen, nicht auf denen eines durchschnittlichen Hörers. Zusätzlich bietet Quantum adaptive Geräuschunterdrückung, Bluetooth für Anrufe, Fernsehen und Musik, bis zu 80 Stunden Akkulaufzeit mit dem Ladecase und 5 Jahre Garantie sowie 45 Tage Rückgaberecht.
Für alle Geräte dieser Kategorie, einschließlich Panda, gilt eine einheitliche Grenzwertvorgabe. Freiverkäufliche Hörgeräte sind für leichte bis mittelschwere Hörverluste vorgesehen. Bei schwerem oder hochgradigem Hörverlust ist eine klinische Anpassung, die mit derselben Real-Ear-Messung wie in dieser Studie durchgeführt wurde, weiterhin am sinnvollsten.

Einschränkungen dieser Studie
Dies war eine kleine Charakterisierungsstudie: zehn rechte Ohren, fünf simulierte audiometrische Profile, ein Gerätemodell mit einer Firmware-Version. Die Studie gibt keine Auskunft über das tatsächliche Hörvermögen der Probanden, da weder Sprachtests noch Messungen der Höranstrengung oder Zufriedenheitsbefragungen durchgeführt wurden. Die Profile basierten auf gerätebasierten Schwellenwerten und nicht auf klinischen Audiogrammen. Der Vergleich mit den vorgegebenen Zielwerten war deskriptiv und nicht statistisch geprüft. Daher werden weder Effektstärke noch Konfidenzintervall für die Abweichung angegeben.
Es besteht außerdem das Problem sich ständig ändernder Zielwerte. Das Verhalten von Endgeräten wird durch Software bestimmt, die jederzeit geändert werden kann. Daher ist eine Messung, die in einer Firmware-Version durchgeführt wurde, nicht unbedingt auf die nächste übertragbar. Der Datensatz PubMed für diesen Artikel enthält keine Angaben zu Finanzierungsquellen oder Interessenkonflikten.
Was bedeutet das für uns?
In-Ear-Kopfhörer mit Hörfunktionen haben den Zugang zu Hörgeräten deutlich vereinfacht. Dies ist ein echter Gewinn für Menschen, die von einem Hörgerät profitieren könnten, aber in der Regel keines besitzen. Diese Studie liefert jedoch einen wichtigen Hinweis: Der einfache Zugang zu Hörgeräten ist nicht gleichbedeutend mit dem Zugang zu einer professionellen Anpassung. Der Unterschied zwischen beidem zeigt sich genau dort, wo die Sprachverständlichkeit entscheidend ist: in den hohen Frequenzen. Wer sich allein aufgrund der Bequemlichkeit für ein Gerät entscheidet, sollte wissen, dass die erhaltene Verstärkung möglicherweise sanfter und weniger differenziert ist, als es das Audiogramm vorsieht. Dieses Problem lässt sich beheben und ist keine unüberwindbare Grenze.
Hentona K, Suzuki D, Sasaki A, Okada T, Oguchi K, Izawa M, Doi H, Fujita W, Yokoyama M, Suzuki E, Ozawa H, Tomizawa A, Oishi N, Shinden S. Verstärkungseigenschaften des Hörgeräteprogramms in AirPods Pro 2. Auris Nasus Kehlkopf. 2026. Abgerufen von PubMed. DOI: https://doi.org/10.1016/j.anl.2026.05.007


