Umfrage zeigt: Audiologen sehen echtes Potenzial in Hörgeräte-Apps, nutzen sie aber uneinheitlich
Eine landesweite Umfrage unter Audiologen zeigt große Begeisterung für Smartphone-Apps, die bei der Verwaltung von Hörgeräten helfen – auch wenn die tägliche Nutzung in der Praxis diesem Optimismus deutlich hinterherhinkt.
Die meisten heute verkauften Hörgeräte lassen sich mit einer Smartphone-App verbinden, und diese Apps können zunehmend mehr, als nur die Lautstärke zu regeln. Sie führen durch die Ersteinrichtung, erinnern an wichtige Schritte, enthalten Aufklärungsmaterial und helfen dabei, den Klang eines Geräts feinabzustimmen.
Doch wie oft greifen die Fachleute, die diese Geräte anpassen, tatsächlich auf die Apps zurück, und wofür halten sie sie für sinnvoll? Eine neue Umfrage hat genau diese Fragen an Audiologen gerichtet, die mit kleinen Kindern und deren Bezugspersonen arbeiten – und die Antworten offenbaren eine Lücke zwischen Überzeugung und Praxis.
Über diese Studie
Titel: Hearing-aid-connected mobile apps for caregiver hearing aid management: provider practices and perspectives
Autoren: Karen Munoz, Madison Fitzpatrick, J. A. Schnittker, Danielle Glista, Michael P. Twohig
Zugehörigkeit: Utah State University, USA; Western University, Kanada; Sonova AG, Schweiz
Fachzeitschrift: International Journal of Audiology, Juli 2026
Studientyp: Querschnittsumfrage unter Audiologen
Quelle: PubMed, DOI 10.1080/14992027.2026.2702204
Hintergrund: Warum die Forscher dies untersucht haben
Um das Beste aus einem Hörgerät herauszuholen, braucht es mehr als nur das Gerät selbst. Es braucht Begleitung, Nachsorge und ein wenig Einarbeitung, besonders in den ersten Wochen. Bei kleinen Kindern, die Hörgeräte tragen, läuft diese Unterstützung meist über eine Bezugsperson, die das Gerät im Alltag betreut.
Smartphone-Apps, die sich mit Hörgeräten verbinden lassen, bieten eine Möglichkeit, einen Teil dieser Unterstützung auch außerhalb der Praxis zu leisten. Bislang gab es jedoch kaum Informationen darüber, ob Fachkräfte diese Apps tatsächlich in die Behandlung einbinden oder wie sie sich eine funktionierende App wünschen würden. Genau diese Lücke wollten die Forscher schließen.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Das Team führte eine Querschnittsumfrage durch, also eine einmalige Befragung, die eine Momentaufnahme der aktuellen Praxis liefert. Befragt wurden Audiologen in den Vereinigten Staaten, die Hörgeräte für Kinder von der Geburt bis etwa zehn Jahre anpassen und begleiten.
Die Fragen betrafen zwei Aspekte: was diese Fachkräfte bereits heute mit Apps in ihrer Praxis tun, und was sie sich von einer hypothetischen App wünschen würden, die Bezugspersonen aufklären und dauerhaft in die Hörversorgung ihres Kindes einbinden soll.
Was die Forscher herausfanden
Etwa die Hälfte der Audiologen gab an, Bezugspersonen routinemäßig eine App zu empfehlen, rund 58 Prozent. Ein ähnlich hoher Anteil, knapp 58 Prozent, führt Familien in die Nutzung der App ein, und etwas weniger als die Hälfte, rund 49 Prozent, installiert die App zur Unterstützung sogar auf dem eigenen Telefon.
Die tatsächliche, praktische Nutzung zur Unterstützung der täglichen Hörgerätepflege lag deutlich niedriger. Nur etwa jede vierte Fachkraft, rund 25 Prozent, gab an, die App tatsächlich zu nutzen, um beim Tragen und bei der Pflege der Geräte zu helfen.
Die Begeisterung war dennoch unübersehbar. Rund 90 Prozent gaben an, eine App zur Aufklärung und Einbindung von Bezugspersonen bedenkenlos empfehlen zu können. Fast alle, etwa 99 Prozent, sahen einen Mehrwert darin, Familien einen leichteren Zugang zu Informationen zu ermöglichen, und ausnahmslos alle Befragten waren der Meinung, dass eine solche App das Vertrauen der Bezugspersonen stärken könnte.
Der Hauptknackpunkt war die Zeit. Rund 30 Prozent nannten den Aufwand für das Herunterladen und Koppeln der App als praktische Hürde. Kurz gesagt: Die Fachkräfte glauben an die Werkzeuge, haben aber nicht immer die Minuten, um sie einzurichten.
Was das für Menschen mit Hörminderung bedeutet
Auch wenn sich diese Umfrage auf Kinder und ihre Bezugspersonen konzentrierte, gilt die zugrunde liegende Erkenntnis für Hörgeräteträger jeden Alters. Ein Gerät funktioniert am besten, wenn die tragende Person sich sicher und gut unterstützt fühlt, und eine App kann einen großen Teil dieser Unterstützung mit nach Hause tragen.
Aufschlussreich ist, dass die Einrichtungszeit die Hürde darstellt, nicht etwa Skepsis. Das deutet darauf hin, dass der Wert einer App maßgeblich davon abhängt, wie reibungslos sie in Betrieb zu nehmen ist. Wenn die Kopplung schnell geht und die App Schritt für Schritt anleitet, profitieren mehr Menschen von Funktionen wie individueller Anpassung, Erinnerungen und einfachen Einstellungsänderungen.
Das deutet auf einen umfassenderen Wandel in der Hörversorgung hin, bei dem ein Teil der Feinabstimmung, die früher einen Praxisbesuch erforderte, heute über das Telefon erfolgen kann.
Wenn die App die Feinabstimmung übernimmt
Da diese Studie zeigt, wie sehr Fachkräfte eine App schätzen, die die Hörversorgung leichter handhabbar macht, lohnt sich ein Blick darauf, dass manche neueren Geräte die App als festen Bestandteil und nicht als bloßes Extra einbinden. Panda Quantum ist ein solches Gerät und wird mit der Panda App gekoppelt, um eine app-basierte Anpassung des Hörens zu ermöglichen.
Nach der Ankunft des Quantum führt man über die App einen Selbsttest des Gehörs durch, der das Hörvermögen Frequenz für Frequenz direkt über die Hörgeräte prüft und diese anschließend anhand der Ergebnisse programmiert, ähnlich einer klinischen Anpassung. Von dort aus lässt die App die eigenständige Anpassung der Einstellungen zu, sodass genau die Art der Nachjustierung, die sich die befragten Audiologen erleichtern wünschten, bequem zu Hause stattfinden kann.
Auf der Hardware-Seite ist das Quantum ein 16-kanaliges Im-Ohr-Hörgerät mit Empfänger im Gehörgang (Receiver-in-Canal) und adaptiver Geräuschunterdrückung für klarere Sprache in lauter Umgebung, plus Bluetooth für Anrufe, Fernsehen und Musik. Es bietet mit Ladecase bis zu 80 Stunden Gesamtakkulaufzeit und wird mit 5 Jahren Garantie sowie 45 Tagen Rückgaberecht geliefert. Wie immer gilt: Rezeptfreie Geräte sind für leichte bis mittelgradige Hörminderungen zugelassen, bei starker oder hochgradiger Hörminderung ist eine klinische Anpassung nach wie vor die bessere Wahl.
Grenzen dieser Forschung
Es handelte sich um eine Erhebung von Meinungen und selbst berichteten Gewohnheiten, nicht um eine Untersuchung, ob Apps tatsächlich die Hörergebnisse verbessern – die Studie kann also nicht sagen, wie stark diese Werkzeuge in der Praxis tatsächlich helfen. Ihr Fokus lag auf Audiologen, die Hörgeräte für kleine Kinder anpassen, weshalb sich die genannten Zahlen nicht unbedingt direkt auf Erwachsene übertragen lassen, die Geräte für sich selbst kaufen.
Selbstauskünfte in Umfragen können die Begeisterung zudem überzeichnen, da Personen mit starker Meinung zu einem Thema eher antworten. Erwähnenswert ist außerdem, dass einer der Autoren einem Hörgerätehersteller, der Sonova AG, angehört – ein möglicher Interessenkonflikt, den Leser bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen sollten.
Was Sie daraus mitnehmen können
Wenn Sie selbst oder ein Familienmitglied Hörgeräte tragen, ist die praktische Erkenntnis einfach: Die begleitende App ist kein nachträglicher Gedanke. Fachkräfte sehen darin echten Mehrwert, und das größte Hindernis ist lediglich die Einrichtung. Ein paar Minuten zu investieren, um die App herunterzuladen, zu koppeln und kennenzulernen – oder sich für ein Gerät zu entscheiden, bei dem dieser Vorgang bewusst einfach gestaltet ist – kann aus einem guten Hörgerät eines machen, das auch lange nach dem Praxisbesuch zuverlässig für Sie funktioniert.
Munoz K, Fitzpatrick M, Schnittker JA, Glista D, Twohig MP. Hearing-aid-connected mobile apps for caregiver hearing aid management: provider practices and perspectives. International Journal of Audiology. 2026. Retrieved from PubMed. DOI 10.1080/14992027.2026.2702204


